Die Liebe für 50 Pfennig

Und irgendwann kämpfte auch ich mich wieder von den hochherzlichen Gedanken zu den eher profanen Sichtweisen zurück, zu den weltlichen Tatsachen, zum begütigenden Weiblichen, ohne alle Erhebungsphantasmen gesehen – lange reichte es mir auch so. Und sie bargen ja auch eigene Sorten von Erleichterungen, die ruchlosen Erfahrungen.

Nicht, dass ich eigens überlegte, nie wieder zu den eingeführteren Formen der Marienverehrung zurückzukehren, zu Idealen der Minne, der Redlichkeit, der Selbstlosigkeit. Aber es liegt ja auf der Hand, wie das Gute aus solcher Lehre als Bestandteil der Aufforderungen zum Guten überhaupt assimiliert wird – und es ist eh da! Vielleicht oft nur aus Hilflosigkeit gegenüber dem Guten, wandte ich mich zwischendurch immer wieder dem Bösen zu, dem Thrill, meine Befreiung in Versuchung führen zu können. Es schien dann auch manchmal interessanter. Doch blieb mir dabei auch bewusst, wie etwas in mir zu einem Besseren noch gar nicht hinreichte. Und so arbeitete eine gewisse vorsätzliche Niedrigkeit im Wissen um mein Selbstungenügen auch da.

Womöglich sind all das die Bewährungen, um sich schließlich selber daraus zu erheben, ein naheliegender Prozess. Doch da ich anderswo früh Bewährung als Befolgung zu verstehen gelernt hatte — mein Zweifel war mein widerständiges Potenzial; sogar alles Lob im Kunstunterricht hatte ich immer schon als teil-vergiftet betrachtet -, war das, verstärkt um die unabweisbare Angst vor dem Versagen, etwas höchst Zwiespältiges für mich. Bin ich ein Hund? Ja! Und also will ich lieber als ein solcher leiden! So rettete ich mich mit ein paar faulen guten Gründen in einen weiteren Widerspruch. Ich, es in mir entschied, zumindest seine Verstiegenheit zu verteidigen — wenn schon nicht zu einem Unerreichbaren, dann die Voraussetzungslosigkeit meines Drangs zu ihm hin; wenn schon für keine 50 Pfennig, dann um einen unermesslichen Preis.

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